Schreiben IST verkaufen

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“Das dürfen Sie mir gerne mal kostenlos zuschicken!”

Hast du diesen Satz nicht auch schon mal gesagt, wenn jemand zum Beispiel versucht hat, dir am Telefon etwas zu verkaufen?
     Zumindest eines haben ungefragte Werbung und unsere Werke, die man als kostenlose Leseprobe anbietet, gemeinsam: der “Erfinder/Ersteller” hat sich etwas dabei gedacht.

Vielleicht möchte manche Autorin bzw. mancher Autor gar nicht von den eigenen Werken leben können. Die meisten aber schon, es geht also ums Geld. Also ist auch das Schreibens eine Form der Dienstleistung aus dem Bereich der Unterhaltung, und demnach eine Form des “Verkaufens”. Wir verkaufen also Entspannung, oder – einfacher ausgedrückt – “schöne Momente”.

Richtig, wir reflektieren in unseren Werken etwas, nämlich das, was wir bereits kennen. Und wir haben eine Absicht. Hast du schon mal deine Werke kostenlos zum Lesen angeboten oder eine kostenlose Lesung gehalten? Und wie haben die anderen darauf reagiert? Musstest du Resonanz erfragen oder kam die Resonanz von selber?

In der Gruppe reagieren viele Menschen anders als im Einzelgespräch. Selbst wenn ein Schauspieler oder ein Comedian ganze Hallen mit 40.000 zuschauern oder noch mehr füllt, heißt das nicht, dass seine Show bei jedem gleichgut angekommen ist – es gibt immer unterschiedliche Meinungen.
     Wenn du ungefragt eine Resonanz bekommen hast, zeigt das, dass das Gegenüber an dir persönliches Interesse hat, und dein Werk mindestens aus Neugierde gelesen hat.
     Wenn von selbst keine Resonanz zurückgekommen ist, kann das zum Beispiel an mangelnder Sympathie dir gegenüber liegen, das ist aber nichts Schlimmes, sondern normal, du magst ja auch nicht jeden.

Nicht jeder Mensch ist offen und geradeaus, manche möchten andere nicht verletzen. Viele sagen dann (und betonen besonders dabei) “Au ja! Das darfst du mir gerne mal zum Lesen geben.” und wenn du dann Resonanz erfragst, heißt es “Das hast du aber fein gemacht!”

Entschuldigung, aber kannst du dir von Ja-Sagern etwas kaufen? Das Verkaufen fängt bei einem “Nein” erst an, ab dann nämlich zeigst du, wie ernst dir dein Werk, und wie wichtig dir dein Gegenüber ist. Natürlich wirst du von derselben Person, die du schon mal gefragt hast, nicht beim nächsten Mal eine bessere Resonanz bekommen. Es sei denn, und diese Wahrscheinlich ist sehr gering, dass mehrere Personen, die dich widerum leiden mögen, dieser Person widerum nur Positives erzählt haben.

Aber du weißt doch selbst, dass die Aussage “…, gerne mal kostenlos zuschicken!” nichts anderes als “…, gerne mal am A… lecken!” bedeutet, eine höfliche Absage also. Kennst du von dir selber, oder?

L.G.