Krimi & Thriller

In Fernsehserien wird uns binnen 10 bis 15 Minuten ein Mord in allen Facetten dargelegt. Wir als Zuschauer rätseln mit, wer der Mörder sein könnte, was er wann, wie und wo geplant und getan hat, und was sein Motiv gewesen sein könnte. Für uns Hobby-Psychologen und Hobby-Kriminologen klingen die gezeigten Fälle spannend, manchmal erscheint es uns sogar einfach, einen im Fernsehen gezeigten Fall zu lösen. Und was wir in solchen Fernsehserien gelernt haben, glauben wir, in der Realität anwenden zu können, wenn Medien nach einem Mörder suchen, wenn mal wieder “etwas passiert ist“.
     Mitarbeiter dieser Abteilungen können schlecht Tote wieder lebendig machen und defekte Teile wieder reparieren, um einen Mord rekonstruieren und um dem Täter auf der Spur bleiben zu können. Tatsächlich sind für die Bearbeitung eines Falls mehrere Abteilungen zuständig, deren Berufe man entweder mit Abschluss erlernen oder gar studieren kann – und auch muss, um überhaupt erst ein Teil dieser Puzzles sein zu dürfen. Es ist die Wissenschaft, die der Aufklärung eines Mordes dient, vieles davon ist reine Berechnung, also Mathematik. Wohl bemerkt, dass jede Abteilung nur ein winziger Teil dieses Puzzles ist.

Mancher Mord ist zwar bis ins Detail geplant, jedoch auch nur das Tüpfelchen auf dem “i“, eine Momentaufnahme anhand dessen bzw. anhand derer wir als Laien glauben, über die Täterin bzw. über den Täter urteilen zu können. Manche Morde “geschehen/passieren“ im Affekt, manch andere sind kaltblütig geplant. Hinter jeder Täterin bzw. hinter jedem Täter steckt aber auch ein Täterprofil, ein Mensch, eine Persönlichkeit, selbst in jedem Menschen, der noch so brutal und pervers-sadistisch gemordet hat. Zwar sind manche psychischen Krankheiten vererbbar, und dennoch wird niemand(!) nur als gut oder nur als böse geboren. Man wird zu dem gemacht, allerdings besteht ein Unterschied zwischen dem Lernen und dem Abschotten als Kind und als Erwachsener. Wir glauben, beurteilen zu können, was Gut und was Böse ist – weil wir es zum Teil in unserem kindlichen Umfeld und zum Teil später als Erwachsene gelernt haben. Mit dem Älterwerden haben wir aber auch gelernt, uns gewissermaßen zu schützen, uns abzuschotten, jede bzw. jeder auf ihre bzw. auf seine Weise. Und obwohl wir dazugelernt und uns weiterentwickelt haben, sind wir nur Laien.

Soziopathie und Psychopathie sind im Grunde schnell und einfach definiert: ein Soziopath erschleicht sich bewusst das Vertrauen anderer, um Lücken in der Persönlichkeit ausfindig zu machen, um widerum Schaden zuzufügen, während es einen Psychopath so gut wie gar nicht interessiert, was das Opfer empfindet, er ge- und missbraucht nur den Körper des Opfers, um damit nach seinen Belieben zu “spielen“, ein Spiegelbild seiner Seele – ob nun weiblich oder männlich (es gibt auch TäterINNEN). So einfach wie es scheint, ist es aber nicht, es wurden inzwischen hunderte Bücher über Täterprofile bzw. über das Erstellen von Täterprofilen, also über das Profiling, geschrieben.
     Als Laie vermag man darüber urteilen zu können, ob der Täter sprichwörtlich “einer von uns“ ist oder nicht. Doch auch das können nur “Fachmenschen“ beurteilen, deren Berufe zum Beispiel Kriminalpsychologe, Rechtspsychologe und Fallanalytiker sind.

Ein Krimi ist oftmals nur die Momentaufnahme eines Mordes, ein Thriller ist nicht selten die Geschichte des Täters und die anderer Menschen, nämlich auch die Geschichten der Opfer und die der Angehörigen.

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